Forschung und Praxis

Die verschwundene Moped-Betriebserlaubnis

ein Viewererlebnis von Ralf Paulsen

BetriebserlaubnisVor einiger Zeit suchte ich verzweifelt die Betriebserlaubniss für meinen 50er Roller. Das Wetter wurde wieder schön und lud zum Zweiradfahren ein. Dummerweise fand ich die dazu nötige Betriebserlaubniss nicht wieder. Nach zahlreichen vergeblichen Suchdurchgängen kam mir die Idee, die Matrix danach zu fragen. Wenn jemand weiß, wo sich die ABE befindet, dann die Matrix. Glücklicherweise war bei Manfred einige Tage später ein kleines RV Treffen, so dass ich Viewer  für dieses Vorhaben zur Verfügung hatte. Als Targetformulierung schrieb ich folgendes: „Die Allgemeine Betriebserlaubniss für den Piaggio Roller TPH 50 mit der Fahrzeug. Ident. Nr. XXXX XXXX im Besitz von Ralf Paulsen, wohnhaft in Musterstadt. Bestimme ihren Aufenthaltsort.“ Dazu kamen die üblichen Koordinaten. Um es vorweg zu nehmen, die ABE ist ein kleines, zusammengefaltetes, hellgrünes Stück Papier. Maximale Größe DIN A5.



Frohgemut machte ich mich mit Marco, dem Viewer, ans Werk. Insgeheim dachte ich daran, allgemeine Formulierungen wie „dunkel, beengt, riecht muffig“ und eine ungefähre Richtungsangabe für eine Schublade in meiner Wohnung zu bekommen. Aber es sollte anders kommen.
Marco versorgte mich in der Eins mit einer Menge an Eindrücken, die ich so nicht zuordnen konnte. Allerdings kannten wir beide uns auch nicht, so dass ich ohnehin erst einmal einen Eindruck über sein Verhalten als Viewer gewinnen musste.. Jedoch kamen auch Eindrücke, die mit dem Target gut übereinstimmten. Z.B. so etwas wie „Man hat sich das anders vorgestellt“ (was ja auch stimmte, an sich wollte ich schon längst erste Spritztouren mit dem Roller unternommen haben). Oder an anderer Stelle des Ideogramms „sehr sehr klein“ was ja auch stimmte, so groß ist die ABE ja nicht.
In der Stufe Zwei wurde ich allerdings langsam aufmerksam. Die Eindrücke stimmten so gar nicht mit einer ABE oder einer Schublade überein. Als Farben präsentierte Marco mir goldgelb, blond, violett/rot, alles irgendwie glänzend und alles wie mit kleinen Goldeinschlüssen. Die Oberflächen waren hart aber kunstoffartig, sie hat Einschlüsse und die Form wäre eckig, die Kanten abgerundet. Als Gerüche gab er mir chemisch/künstlich, dampfartig, scharf und erträglich, aber nicht angenehm. Geschmacklich ordnete er dem Target den Geschmack von Hustenbonbons mit Honiggeschmack zu, allerdings auch ekelhaft künstlich. Dann kam noch technisch erzeugte Wärme (konnte ja alles bedeuten, in meiner Wohnung war hin und wieder auch mal die Heizung an). Er hörte ein blubbern, dazu ein strömen wie von Druckluft (Pressen). Die Dimension war raumartig oder würfelartig. Es würde in einem Innen stehen, hätte aber selbst mehrere kleine Innen. (Diese Aussage ließ mich wieder auf meine Kommode hoffen. Sie steht ja in einem Raum, und hat durch die Schubladen ja selbst Innenräume.)
In der Drei allerdings zeichnete mir Marco ein würfelförmiges Gebilde. Auf mein Nachfragen gab er als Höhe so ungefähr zwei Meter an. Es würde in einer Halle stehen und hätte harte, abgerundete Kanten. Irgendwie beschlich mich das unangenehme Gefühl, wie wären in einer Papierverwertung gelandet. Marco meinte auch, an den Seiten der Halle stehen viele Dinger rum, aber nicht targetwichtig.
Schnell ließ ich ihn in die Vier gehen. Als Dimension gab er raumartig und gefühlte 5m³ an. Unter EI kam „Draußen ist jemand, der das Ding kennt“. Die anderen Eindrücke der Vier waren nicht wirklich wichtig. Schnell ließ ich ihn in die Sechs gehen. Als erstes interessierte mich eine Standortbestimmung. Ich wollte sehen, wo das Target sich befand. Marco zeichnete mir ein Koordinatenkreuz und noch bevor ich ihm Hamburg als Anhaltspunkt anweisen konnte, zeichnete er sofort südöstlich als Targetort ein. Dies erstaunte mich umso mehr, da ich nordwestlich von Hamburg wohne. Marco zeichnete nochmals detailliert das Objekt aus Stufe Drei, danach beschrieb er unter IT das Innenleben wie folgt: Formgebung, Herstellen, Schneiden, Pressen. Es dient zur Herstellung von Teilen, allerdings nicht unbedingt metallisch. Innerlich fluchte ich. Offenbar hatte ich die ABE bei einer Aufräumaktion ins Altpapier entsorgt und so war sie irgendwie in einer Altpapierentwertung gelandet. Ich wollte die Session schon abbrechen und stellte mir dabei das Theater vor, um eine neue ABE zu bekommen, da kam mir zum Glück noch die rettende Idee. Ich ließ Marco noch eine Timeline machen. Links die Vergangenheit, rechts die Zukunft und in der Mitte den Tag der Sitzung, also die Gegenwart. „Marco, fahre bitte mal die Timeline entlang. Wo bist du gerade? “ wies ich ihn an. Konzentriert fuhr er mit dem Stift die Linie entlang und zeichnete schließlich einen Punkt einige Zeit in der Zukunft an. „Hier, etwas in der Zukunft“ kam seine Antwort. „Gut, dann geh bitte mal in die Gegenwart. Fühl mal rein in den Punkt auf der Timeline. Beschreibe mir bitte die Umgebung des Targets.“ Marco piekte mit seinem Stift auf den Zeitpunkt „Gegenwart“ auf der Timeline. „Ich stehe auf einem grünen Rasen“ berichtete er. „Vor mir ein kleines, fast quadratisches weißes Haus.“ Nun wurde es interessant. Offenbar hatte ich doch Glück gehabt, wir waren zuerst in einer möglichen Zukunft gelandet. Und ich wohne zur Miete in einem quadratischen, kleinen Wohnhaus in der oberen Etage. Ich ließ ihn an, das Haus zu betreten. Sofort beschrieb er mir den kleinen Flur, den ich immer durchqueren musste, um über die Treppe meine Wohnung zu betreten. Ich ließ ihn über die Treppe in meine Wohnung gehen. Er skizzierte recht genau den Grundriss meiner Wohnung. Als er mein Wohnzimmer „betreten“ hatte wies ich ihn an: „Also Marco, findest du hier das Target? Kannst du es mir beschreiben?“
SchreibtischKurz fühlte er über das Papier, dann legte er los: „Also ich sehe einen Schreibtisch vor mir, direkt an der Wand. Aber der hat eine komische Form. Er ist nicht symmetrisch.“ Nun lief es mir kalt den Rücken herunter. Mein Schreibtisch hat tatsächlich keine symmetrische Form. Dass er dieses Detail mitbekam, war echt beachtlich. „Auf dem Schreibtisch liegt ein kleines, violettes Stück Papier. Das muss das Target sein.“ „Nein das ist nicht das Target. Suche mir bitte etwas im Sinne des Targets“ antwortete ich ihm. Marco schaute mich nun direkt an und meinte: „Offenbar suchst du etwas. Sag mir genau, was du suchst, sonst finde ich das wohl nicht. Gebe mir keine Formulierung von wegen im Sinne des Targets.“ Kurz überlegte ich. Normal gibt man dem Viewer ja keine genauen Auskünfte über das Target. Allerdings hatte er mich so direkt dazu aufgefordert, dass ich ihm das Papier genau beschrieb. „Ich suche ein kleines, grünes Stück Papier. Findest du das?“ Marco fühlte kurz über das Papier „Links stehen unter dem Schreibtisch Schubladen. Hier, in der untersten Schublade ist das Target. Es ist mit vielen anderen Papieren vermischt. Du musst es dort schnell wegholen, sonst besteht die Gefahr, dass das Target mit den anderen Papieren zusammen im Müll landet und dann in der Szene landet, in der ich zuerst war.“ Nun hatte er sich doch in einem winzigen Detail geirrt. Mein Schreibtisch hat keine Schubläden. In einem Baumarkt habe ich aber zwei Faltkartons gekauft, die ich als Ablage benutze. Allerdings stehen die beiden Kartons übereinander gestapelt auf und nicht unter der linken Seite der Schreibtischplatte. Aber dass ein Viewer  so etwas mit Schubläden assoziiert ist  meiner Meinung nach nicht verwunderlich. Schließlich hat ein Schreibtisch ja normalerweise Schubladen und die unter der Schreibtischplatte. Im unteren Karton bewahrte ich meine RV-Targets auf, also einige Briefumschläge in denen jeweils ein Blatt Papier steckte. Ich grübelte kurz. Ich war der Meinung, die ABE nicht zu den Targets gelegt zu haben. Seine Beschreibung passte aber sehr genau.In der Zwischenzeit hatte Marco schon die beiden Kartons skizziert und fühlte in den unteren rein. „Ja, hier ist das Target ganz deutlich drinnen zu erkennen. Allerdings hat dort schon jemand das Target gesucht. Warte mal, ich fühle mal näher in die Situation herein.“ Er zeichnete mich als Person 1 auf das Blatt, denn  jemand anderes als ich kann nicht in den Kartons gesucht haben. „Oha, der hat schon nach dem Target gesucht und es nicht gefunden. Dann hat er ganz schön geflucht. Aber das Target ist da, er hat nicht an der richtigen Stelle gesucht.“ Nun musste ich innerlich schmunzeln, konnte ich doch schön und laut fluchen, wenn ich etwas suche und nicht finde. Ich ließ Marco noch einige andere, persönliche Anliegen von P1 (also von mir) abfragen. Auch dort war er sehr treffsicher und beschrieb meine berufliche und private Situation recht genau. Dann ließ ich ihn die Sitzung beenden. „Sitzung war in Ordnung, aber ich will mich gern von dem Target trennen“ war sein letzter Kommentar der Sitzung. Leider sollte ich erst vier Tage später dazu kommen, nochmals die ABE zu suchen. Und siehe da, ganz unten im unteren Karton, genau wie beschrieben fand ich die ABE dann. Sie lag zwischen den Umschlägen mit meinen RV-Targets und war zur Hälfte in einen Umschlag hineingerutscht. Das von Marco zuerst beschriebene violette Papier stellte sich als Eintrittskarte zu einer Veranstaltung heraus, die noch auf dem Schreibtisch lag. Der Roller hat in der Zwischenzeit mindestens 500 Kilometer mehr auf dem Tacho und es sind noch viele sonnige Tage zu erwarten…