Kolumne

Qualitätscheck für Remote Viewing-Anbieter
von Marco Kutzsch

Es ist nicht zu leugnen, dass das Internet heute das primäre Informationsmedium ist. Gibt man in Suchmaschinen wie z.B. Google den Begriff „Remote Viewing“ ein, wird eine stetig wachsende Anzahl an Webseiten angezeigt.
Für den interessierten Laien, der noch keinen Einblick in Remote Viewing bekommen hat, ist es ausgesprochen schwer, die Qualität und Seriosität der Seiten zu beurteilen.
Es fehlt an Kriterien, denn woher sollte der Interessierte wissen, ob etwas, das im Netz mit RV bezeichnet wird, auch tatsächlich Remote Viewing ist?
Meine Recherchen dazu ergaben ein absolut abenteuerliches Bild! Mittlerweile heißt alles, was in irgendeiner Hinsicht „übersinnlich“ ist, Remote Viewing. Und es ist kommerziell interessant geworden, sodass man sogar verschiedene „Geschäftsideen“ beachten muss.
Deshalb möchte ich dem Informationssuchenden hier ein paar Hilfsmittel aus meiner Erfahrung zu bedenken geben.


Zunächst einmal sollte man feststellen, ob nicht vielleicht eine ältere, esoterische Methode wie z.B. Channeling, Geistreisen, Out-of-body-Zustände oder Hypnoseverfahren damit verkauft werden sollen.
Remote Viewing ist eine klar definierte Handlungsvorschrift mit einem festgelegten Protokoll, die für den Gebrauch in militärischen Einheiten (da zählen nur Tatsachen) von Naturwissenschaftlern (z.B. Dr. Harold Puthoff, Physiker) entwickelt wurde. Sie erlaubt die Kontrolle der Fantasietätigkeit und verhindert somit ein Abschweifen. Dies ist bei anderen Verfahren nicht in gleicher Qualität sichergestellt! Seien Sie also bitte skeptisch wenn Ihnen auf einer Website mehrere Verfahren der außersinnlichen Wahrnehmung angeboten werden. Dort besteht die Gefahr, dass die klare Verfahrensweise von RV verwaschen wurde.
Weiterhin sollte man sich eine Webseite bezüglich des Betreibers genau ansehen.
Wer und was steht im Impressum? Gibt es überhaupt ein Impressum, werden dort echte Personen genannt, die real auffindbar sind?
Ist der Firmensitz und Gerichtsstand in Deutschland oder handelt es sich vielleicht um einen Ort, der weder eine ernsthafte Reklamation zulässt und auch nicht deutschen (Steuer-) Recht zugänglich ist?
Es muss nicht immer ein Staat in Übersee sein, auch in Europa gibt es Staatsgebilde oder Territorien, die sich selbst deutscher Polizeirecherchen entziehen.
Ist die Webseite mit tatsächlichen Inhalten gefüllt, die auch ab und zu aktualisiert werden? Wird etwas zum Thema Remote Viewing erklärt?
Gibt es Berichte über den Umgang mit Remote Viewing?
Wird auf Probleme der Methode eingegangen oder findet man nur ein aufgeblähtes Gerüst mit Chairmen, wichtigen CEOs und umfangreichen Versprechungen?
Wenn Sie sich lediglich über Remote Viewing informieren wollen, empfehle ich Ihnen, sich im deutschsprachigen Raum nicht allein auf Webseiten zu verlassen, sondern durchaus auch Bücher publiziert werden, die den aktuellen Stand der „Szene“ reflektieren, so z.B. „Die Bar am Ende des Universums – Anflug 3“.
Schriftliche Publikationen haben gegenüber Webseiten den Vorteil, dass der Qualitätsanspruch erheblich höher ist und in der Regel nur Leute publizieren, die sich mit RV eingehend beschäftigt haben. Auf Webseiten und Foren ist dies seltener der Fall, da dort jeder seine (ggf. auch völlig unqualifizierte) Meinung kund tun kann.
Wer der englischen Sprache ausreichend mächtig ist, findet inzwischen eine Unzahl von Büchern auch von den ehemaligen Mitgliedern der ersten Remote Viewing-Einheit des Geheimdienstes der US Army. Beispielhaft wäre da Lyn Buchanan´s „The Seventh Sence“ zu nennen, das ich sehr empfehle. Aber auch deutsche Bücher sind inzwischen reichlich erschienen und decken gut den Themenbereich ab. Generell spart man sich mit einem Buch Lebenszeit und Filteraufwand.
Besonders prekär wird die Situation, wenn man sich für ein Remote-Viewing-Training interessiert, um sich lobenswerter Weise aus erster Hand ein Bild von RV zu machen.
Da dies auch mit einem gewissen finanziellen Aufwand verbunden ist, besteht einerseits die Gefahr, das Geld in den Sand zu setzen. Andererseits und grundsätzlich sei gesagt, dass es in Deutschland wirklich seriöse Trainer gibt. Es besteht kein Grund, dafür ins Ausland zu fliegen und neben den Ausbildungskosten noch erhebliche Reisekosten in Kauf zu nehmen.
Es gibt eine gute Methode, sich ein Bild zu machen. Hat der Trainer schon etwas zum Thema Remote Viewing publiziert? Und wie kommt er darin herüber? Menschlich und kompetent?
Kompetenz ist ein Muss aber auch die menschliche Komponente, sprich das Vertrauensverhältnis zum Trainer, ist bei einer Remote Viewing-Ausbildung sehr wichtig.Und wie, wenn es das gibt, sieht die Institution aus, in der er/sie tätig ist?
An dieser Stelle muss man darauf aufmerksam machen, dass die Remote Viewer Szene in Deutschland nur wenige hundert Mitglieder umfasst. Daher ist mir kein Verband und erst recht kein seriöses zentrales Institut bekannt. Es gibt mehrere Anbieter, die sich so oder ähnlich nennen, vielleicht, um ihren Anspruch oder ihren Standort zu vermitteln.
Generell muss man bedenken, dass es für RV als Geschäftskonzept keinen Markt gibt, was weniger an RV liegt als an dessen fehlender Bekanntheit und Akzeptanz in der Gesellschaft. Es wäre wirklich schade, an den falschen Trainer zu geraten und nur deshalb Remote Viewing für Scharlatanerie zu halten.
Mir selbst half der „gesunde Menschenverstand“, eine gute Ausbildung von unseriöser Geschäftemacherei zu unterscheiden. Bei dem Wissensumfang, der mir zugänglich gemacht wurde, kann ich mir auch nicht vorstellen, was in einem Angebot von mehr als 2000,- Euro pro Person darüber hinaus vermittelt werden soll. Gut, man kann sein Geld auch in exquisiten Hotelsuiten oder Edelrestaurants ausgeben, aber das würde ich dann schon am liebsten selbst entscheiden.
In der Anwendung selbst ist Remote Viewing sehr günstig: Wenn Sie es einmal können, brauchen Sie nur noch Stifte und Papier.
In diesem Artikel sind eine Menge Punkte zum durchchecken zusammengekommen. Allerdings ist keiner dabei, der wirklich nur für Remote Viewing gilt. Eigentlich sollte man so bei allen Angeboten im Internet vorgehen.