Kolumne

24.09.2020 - Mittwoch

Quo vadit?

Schon in der Überschrift ist zu erkennen, es wird intellektuell.

Aktuell es wird immer langweiliger und nerviger. Kurz gesagt, wir wollen zurück. Zurück in unser vorheriges Leben. Da hatten wir uns eingerichtet.

Wir wussten was vermeintlich Richtig und was vermeintlich Falsch war oder zumindest dafür gehalten wurde.

Wir hatten uns daran gewöhnt, wer die Guten und wer die Bösen waren. Mit anderen Worten, der Tag hatte Struktur, Freund und Feind waren bekannt. Darin ließ es sich gut leben oder wie das CDU-Regierungsprogramm 2017-2021 uns mitteilt „Deutschland, ein Land in dem wir gut und gerne Leben“. Und dahin möchten wir gerne zurück. Wirklich?

Hier eine etwas andere Analyse von dem Land, in dem wir gut und gerne Leben, zumindest nach den Vorstellungen der CDU und Frau Merkel.

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm

Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm

Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine

Und Rollen und Stampfen und schwere See

Die Bordkapelle spielt: Humbatätärä

Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine

Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert

Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert

Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten

Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum

Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum

Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken

Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken

Der Funker zu feig um SOS zu funken

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff!

Am Horizont Wetterleuchten - die Zeichen der Zeit:

Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit

Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfallspinsel

Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai

Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei

Auf die Sandbank bei der wohlbekannten Schatzinsel

Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon

Bordellkönig, Spielautomatenbaron

Im hellen Licht, niemand muss sich im Dunklen rumdrücken

In der Bananenrepublik wo selbst der Präsident

Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt

Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken

Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken

Der Funker zu feig um SOS zu funken

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff!

Man hat sich glattgemacht, man hat sich arrangiert

All die hohen Ideale sind havariert

Und der große Rebell, der nicht müd wurde zu Streiten

Mutiert zu einem servilen, giftigen Gnom

Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom

Seine Lieder, fürwahr! Es ändern sich die Zeiten

Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm

Gekauft, narkotisiert und flügellahm

Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen

Und eitle Greise präsentieren sich keck

Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck

Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen!

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken

Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken

Der Funker zu feig um SOS zu funken

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff!

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier

er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir

Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten

Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg

Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck

Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten

Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!

Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht

Sie ziehen wie Lemminge in willenlosen Horden

Es ist als hätten alle den Verstand verloren

Sich zum Niedergang und zum Verfall verschworen

Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.


Ein immer noch sehr aktueller Text von Reinhard Mey von 1998, der diesen Text in einem Lied verarbeitet hat.

Dahin wollen wir vermeintlich zurück?

Na dann, guten Weg!

Übrigens … die Akteure (Deutschland, ein Land in dem wir gut und gerne Leben), die uns in die aktuelle Situation gesteuert haben, haben jetzt auch die Lösungen …

Dazu ein Zitat von Albert Einstein:

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Ich möchte hinzufügen … auch nicht mit dem selben Personal (eine Erfahrung aus dem Projektmanagement).

RR