Kolumne

05.04.2020 - Sonntag

Ich weiß, dass ich nichts weiß, aber das ganz sicher

Wir werden ja schon länger sehr ausführlich informiert, von überall her. Sogar unsere Nachbaren informieren mich. Das finde ich gut, denn ich weiß ja nichts und das stimmt sogar.

Ich habe soviel Information und bekomme immer mehr, immer mehr und mehr und jetzt weiß ich nichts mehr und immer mehr nichts … ist ja fast schon philosophisch oder nicht, ich weiß es nicht … Sie etwa?

Auch nicht … das meinte ich gerade!

Die anderen wissen aber auch nichts, das sagen die aber nicht. Oder wissen die mehr als ich … hmmm ich weiß nicht …

Vielleicht hatte Sokrates doch recht … und das war früher, so vor 2500 Jahren und früher war ja alles so unsicher und heute … ich weiß auch nicht.

Also mit Risiken, da kann man ja noch umgehen, aber mit Unsicherheit …

Die Risikoanalyse zur „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ der Bundesregierung aus dem Jahre 2012 ist ja in diesem Zusammenhang auch interessant.

Was ist denn ein Risiko?

Nach Wikipedia → Risiko wird im Allgemeinen als Kombination aus Eintrittswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Ereignisses und Schadensschwere bei einem etwaigen Eintritt des Ereignisses angesehen. Eine oft übliche Vereinfachung ist es, das Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensschwere als Risiko zu bezeichnen. Dies ist dann angemessen, wenn dieses Produkt wohldefiniert ist und wenn das Ereignis so oft eintritt oder eintreten kann, dass der Übergang zu dem durch dieses Produkt beschriebenen Erwartungswert sinnvoll ist. Das Risiko wird in diesem Fall in der Einheit der Zielgröße bewertet.

Jetzt hammer’s … Sie konnten folgen … Super!

Das Ganze sollte wohldefiniert sein, bedeutet genau bestimmt, d.h. alle Einflussgrößen sind bekannt.

Sind die Einflussgrößen nicht bekannt, haben wir Unsicherheit. Eine Unsicherheitsanalyse zur „Pandemie durch Virus Modi-SARS“, klingt nicht besonders gut und wer will schon als unsicher gelten und das auch noch analysieren lassen … also ich weiß nicht …

Zur Unsicherheit kommt dann auch noch die Ungewissheit … Sie sehen schon, das macht sicher. Sicherheit ist quasi das Gegenteil von Risiko aber nicht das Gegenteil von Unsicherheit … das ist Vertrauen, von dem Lenin sagte, dass Kontrolle besser sein.

Der Klügere, also Wissende, soll ja immer nachgeben. Liegt es vielleicht daran, dass es möglich ist, dass die Dummen das Sagen haben?

Ich weiß es nicht … hatte ich das schon gesagt?

Als ich noch viel unterwegs war, mit der Bahn, also dieser Institution, in der man genau wie auf See in Gottes Hand ist, hatte ich immer wieder interessante Gespräche. Besonders zu den Zeiten, in denen Gottes Hand in Form von Verspätungen wegen Verzögerungen im Betriebsablauf zu spüren war. Für die Autofahrer übersetzt: Verspätung wegen Verspätung.

Also zu diesen Zeiten trug es sich zu, dass ich mit anderen Verspäteten(innen) ins Gespräch kam. Thema: Verspätung, was sonst?

Solche Zeiträume kann man damit ausfüllen, über Dinge zu sprechen, von denen beide Gesprächspartner keine Ahnung haben. Das ist meist sehr informativ, kaum wissenswert, aber sehr sozial. Sozial heißt ja gesellschaftlich. Die gesellschaftliche Bedeutung von Information ist sehr hoch, von Wissen eher niedrig. Hätten Sie das gewusst?

Wenn die Menschen nur noch über Dinge sprechen würden, von denen sie was wissen, würde ein großes Schweigen sein auf Erden … und davon wollen wir doch nichts wissen oder?

Na ja, wer weiß?!

RR