Forschung und Praxis

Fell - Wenn das Target unattraktiv ist

Im Laufe des RV-Trainings kommt es, wie alle wissen, die schon ein bisschen Erfahrung mit dem Üben haben, durchaus mal vor, dass man ein Target nicht trifft – oder das zumindest meint. Oft ist es dann aber tatsächlich so, dass man sich zwar im Zielgebiet befunden hat, das Interesse des Viewers aber von etwas anderem als dem Target stärker angesprochen wurde. Damit man nach Öffnen des Umschlags nicht frustriert alles in die Ecke wirft, lohnt es sich also, das Target näher zu betrachten und es zeigt sich auch, warum Bilder aus dem eigenen Fotoalbum vor allem für den Anfang eine gute Wahl sind.

Meine hier beschriebene Session fand ca. ein halbes Jahr nach meinem „Erstkontakt“ mit Remote Viewing statt und 2 Monate nach dem Seminar zu Stufe 1-3. Zu einem Zeitpunkt also, an dem man zum ersten Mal meint, jetzt endlich doch alles verstanden zu haben und richtig zu machen.

Mein Target, erstellt von einer unbeteiligten aber vertrauenswürdigen dritten Person, war so ein typischer angloamerikanischer, gelber Schulbus, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, aufgenommen in Toronto auf unserer ersten Kanadareise. Interessanterweise hatte sogar ich das Foto gemacht, weil das auffällige Gefährt, das ich nur aus amerikanischen Serien kannte, in mir einen kurzen Sturm der Begeisterung auslöste. 

Target: Ein gelber Schulbus
Target: Ein gelber Schulbus

Wie kurz dieser Begeisterungssturm tatsächlich gewesen war, sollte sich 9 Jahre später herausstellen. Denn während in Stufe 1 und 2 noch markante Eigenschaften wie „gelb“, „grau“ und „Hintergrundrauschen“ (wir befinden uns mitten in der Großstadt) präsent waren, rückten diese in der Skizze von Stufe 3 weit abgeschlagen in den Hintergrund und machten einem schon vorher wahrnehmbaren, jetzt aber mit aller Macht sich in den Vordergrund drängenden Eindruck Platz, demjenigen, der mir bis heute von dieser Session als der wichtigste im Gedächtnis geblieben ist: Dem Eindruck von glattem, weichem, seidigem Fell. Dazu ein bewegtes Durcheinander mehrerer kleiner Objekte, eventuell lebendig.

Der erste Blick in den Umschlag war ernüchternd: Zwar hatte ich einige – weniger wichtige – Elemente aufgegriffen, z. B. die Straßenlaterne, aber sonst konnte ich wenig vom Target in meiner Zeichnung erkennen. Wie zum Henker hatte mir der knallgelbe Schulbus entgehen können, der ja nun wirklich aus der Szene herausstach? Und was für eine Bewegung von Lebewesen hatte ich da hineinfantasiert, wo doch eindeutig nichts davon zu sehen war? Ich war schwer enttäuscht und hielt mich für außerordentlich unbegabt.

Stufe 3 Skizze
Stufe 3 Skizze

Aber wie so oft halfen mir die Einschätzung und die gemeinsame Analyse mit meinem Monitor. Nachdem ich erst langsam wieder aus der Matrix auftauchte, machte er mich auf die einzelnen Treffer der Session aufmerksam. Jetzt, im Nachhinein und mit einem geübteren Blick fallen auch mir mehr Details auf, die passen. Damals jedoch irritierte mich der noch immer stark anhaftende Eindruck von Fell nach wie vor, bis ich mich an die reale Situation im März 2010 zurückerinnerte:

Toronto, diese sicherste aller Großstädte (das war noch vor dem Attentat im Eaton Centre 2012) ist eine sehr grüne Stadt. Über die Stadt verteilt finden sich überall größere und kleinere Parks mit Wiesen und hohen Bäumen, ein kleines Paradies für die dort lebenden nordamerikanischen Eichhörnchen, die sich ohne Scheu vor Menschen gegenseitig über die Rasenflächen jagen. Wir haben uns regelmäßig über die agilen Kerlchen amüsiert und ihre Kapriolen beobachtet.

Eichhörnchen in Toronto
Eichhörnchen in Toronto

Das Target-Foto nun war von einem dieser Parks aus aufgenommen worden, das Felldurcheinander war also nicht nur mit dem Urlaub, sondern auch mit dem konkreten Ort verknüpft und für mich offensichtlich wesentlich attraktiver als der unbewegte, leere Bus.

Meinem Mann und mir passieren solche Ablenkungen vom eigentlichen Target häufig. Meist ist es die Bewegung, die die Aufmerksamkeit auf sich zieht, vor allem bei eher statischen Aufnahmen aus der Luft oder zu Wasser. Da werden dann Schiffsmotoren und Flugzeugpropeller beschrieben, verbunden mit Motorenlärm und dem Eindruck „metallisch“. Aber inzwischen sind wir, im Gegensatz zu damals, gewarnt und können solche dem Target zuwiderlaufende Eindrücke oft direkt identifizieren. Notfalls hilft eine Bewegungsübung, oder man führt den Viewer in der Szene weg vom interessanten „Störfaktor“.

Für den Schulbus gab es bei uns weder dieses Bewusstsein noch das entsprechende Werkzeug für den Monitor. Dafür aber eine lehrreiche Erfahrung, von der wir sehr profitiert haben. Man wächst eben mit den Aufgaben!

AF