Forschung und Praxis

Erfahrungsbericht: Targetkontamination

Das Wunderbare an Remote Viewing ist die (in den meisten Fällen wohl) sehr lang anhaltende Faszination dafür, etwas zu können, das die meisten für ein Fantasieprodukt der Science-Fiction-Literatur hielten und noch immer halten. Doch auch wenn es lange dauert, so geht die Faszination irgendwann in Staunen, dann in Verwunderung und letztlich möglicherweise in stille Akzeptanz über. Aber Remote Viewing wäre nicht Remote Viewing, wenn es nicht immer mal wieder Phänomene bereit hielte, über die man sich dann doch wieder ungläubig die Augen reibt. Ein solches Phänomen ist die Kontamination des Targets mit Gedanken des Monitors.

Worum gehts? Steht eine RV Session an, bereitet der Monitor (oder der Targeter) das Target vor. Dabei gibt es einige Grundregeln zu beachten. Unter anderem sollte der Monitor ein einmal feststehendes Target nicht mehr ändern; außerdem sollte er sich gedanklich auf das ausgewählte Target konzentrieren, und nicht an ein anderes Target denken. Andernfalls kann es passieren, dass der Viewer Daten zu dem verworfenen Target bzw. zu dem gedachten Target erhält. Das Target im Umschlag ist dann kontaminiert mit anderen Daten, die nicht dazu gehören. Eine erfolgreiche Session wird dann schnell schwierig bis unmöglich.

Soweit die Theorie. Das Faszinierende daran hat Manfred Jelinski im 1. Kapitel (S. 18) seines 4. Lehrbuchs zusammengefasst: "Dieser immer wieder eintretende Vorfall zeigt, wie durch Worte und Gedanken Verknüpfungen von Informationen hergestellt werden, die andere Menschen ohne Schwierigkeiten aufnehmen können. Der Viewer rutschte dann eben auf das, was der Targeter gedacht hatte, weil das im Moment der Aufgabenstellung stärker mit den Koordinaten verknüpft wurde als das Bild, das er in den Umschlag schob."
Soweit die Theorie, und hier dazu der Bericht zu einer tatsächlich so stattgefundenen Session.

Folgendes war passiert: Ein gemütlicher Abend im Oktober 2019. Remote Viewing Zeit. Ich war dran mit Viewen, meine Frau sollte Monitor sein. Da sie weder Übungs- noch ein operationales Target parat hatte, begann ihre Suche im Internet, während ich mich im Nebenzimmer auf die Session einstimmte. Die Suche zog sich hin und war nach 2 Stunden vorüber. Sie hatte ihr Target gefunden und die Lust auf RV mitsamt ihren Nerven während der Suche verloren. Sie wendete also erhebliche Zeit und Energie auf die Targetauswahl auf. Die Session traten wir dennoch an.
In Stufe 1 hatte ich einige interessante Eindrücke wie schnell, abfallend, Abwärtsbewegung, gleiten, wie auf Schienen sowie Energie. Mir war klar, dass da viel passierte im Target. Stufe 3 war dann ein wenig wirr, aber letztlich hatte ich dort etwas, das sich fließend abwärts bewegte und dabei eine Menge Energie in sich trug. Der Untergrund war flach und eben. Als AI fand ich das noch aufregend. In Stufe 4 wurde es dann konkret: Ich hatte zwei EIs lokalisiert: ein paar EI1 in dem abfallenden Ding waren beschäftigt, neutral, aufgeregt und hektisch, und mehrere EI2 als Beobachter am Untergrund fühlten sich überrascht, entsetzt und schockiert. Unter IT hatte ich den Eindruck, dass hier etwas Ungewolltes und Unvorhergesehenes passierte, und EI1 darin verwickelt war. Darauf folgte eine Stufe 6 auf das Unvorhergesehene. Dort hatte ich den Eindruck von fließender Abwärtsbewegung, Energie, laut sowie heiß und Gefahr. Der Grund dafür: es war etwas Plötzliches passiert, eine Zustandsänderung, die unerwartet war und auf Dummheit und Naivität zurückgeführt werden konnte. Gefolgt von einer AUL: "Absturz der Hindenburg" (damit ist auch Dummheit und Naivität als Grund erklärbar: mit Wasserstoff gefüllte Luftschiffe sind bereits vor der Hindenburg verunglückt und in Flammen aufgegangen, das Schicksal der Hindenburg wäre vermeidbar gewesen).

Da meine Frau keine Idee hatte, wo ich mich als Viewer gerade aufhielt (meine Ergebnisse hatten mit dem Target im Umschlag rein gar nichts zu tun), fiel die Stufe 6 auf das Ereignis eher kurz aus und wir beendeten die Session bald und analysierten das Ergebnis. Wie sich herausstellte, war sie über meine AUL "Absturz der Hindenburg" sehr überrascht. Nicht nur, dass das eine weit umfassendere AUL ist als häufig auftretende AULs wie Haus oder Berg. Es zeigte sich außerdem, dass der Absturz der Hindenburg eines der Targets war, zwischen denen sie abgewogen hatte. Da sie für die Suche und Auswahl des Targets ja sehr viel Zeit und Energie investiert hatte, während ich im Nebenzimmer wartete, scheint die Verknüpfung der Koordinaten mit der Hindenburg stattgefunden bzw. stärker gewesen zu sein, als mit dem ausgewählten Target. Ein typischer Fall von Targetkontamination.
Interessanterweise hatte ich während der Stufe 6 die Personengruppe zu EI1 ein wenig weiter untersucht und festgestellt, dass dort zwei Personen in gegenseitigem Respekt gegeneinander standen. Hier kam die AUL "Boxer". Ein Bild zweier Boxer war zwar im Gegensatz zum Absturz der Hindenburg nicht in der engeren Auswahl möglicher Targets, aber zumindest hat sie während der Recherche ein solches Bild in Betracht gezogen, dann aber auch wieder verworfen. Die Vermutung liegt daher nahe, dass auch andere Targets (wie die Boxer) das Target im Umschlag kontaminiert und damit Einfluss auf die Session genommen haben.

Da das Target nicht getroffen wurde, war es daher zwar keine erfolgreiche Session, auf ihre Art aber sehr spannend, amüsant und erkenntnisreich. Kurzum: eine wertvolle Erfahrung auf dem Weg zum mit allen Wassern gewaschenen RVler.

TF